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Fünf Bücher, die mich geprägt haben

Warum diese Liste?

Wenn man ein Tool zum Bücherschreiben baut, wird man irgendwann gefragt: Welche Bücher haben dich selbst eigentlich geprägt? Das ist eine gute Frage. Und eine, die ich mir selbst viel zu selten stelle.

Vor einiger Zeit hat mich das Projekt Fünf Bücher genau das gefragt. Die Antwort war überraschend schwer – nicht weil mir keine Bücher einfielen, sondern weil es so viele wären. Aber fünf mussten es sein. Hier sind sie.

1. Der Zauberberg – Thomas Mann

Dieses Buch hat tiefe Spuren hinterlassen. Was mich bis heute fasziniert, sind diese endlosen, verschachtelten Sätze, die ein unglaubliches inneres Universum aufbauen. Mann feiert die Krankheit als die höhere Form des Lebens, und man glaubt es ihm – zumindest solange man liest.

Es gibt diese Szene, in der eine Frau die Tür zum Speisesaal zuknallen lässt. Das klingt banal, aber es ist einer dieser Momente, die sich ins Gedächtnis brennen. Literatur auf höchstem Niveau.

2. Minima Moralia – Theodor W. Adorno

Adorno war die große Leidenschaft meiner Jugend. Minima Moralia habe ich nicht gelesen wie ein normales Buch – ich habe es jahrelang eingeatmet. Es lag immer irgendwo griffbereit, und ich habe einzelne Abschnitte wieder und wieder gelesen.

Die Schärfe des Denkens, die Kompromisslosigkeit – das hat mich als junger Mensch enorm beeinflusst. Und ehrlich gesagt: tut es immer noch.

3. Der Gehülfe – Robert Walser

Robert Walser ist der Nabokov des deutschsprachigen Raums. Das sage ich nicht leichtfertig. In "Der Gehülfe" pendelt er zwischen naiver Beschreibung und tiefem Wahnsinn, und man merkt den Übergang kaum.

Was mich besonders berührt hat: die langen Passagen, in denen die Schönheit des Dienens und der einfachen Berufe gefeiert wird. In einer Welt, die Ambition über alles stellt, ist das fast subversiv.

4. Das Jahr danach – Wolfgang Pohrt

Pohrt gehört zur zweiten Generation der Frankfurter Schule, und sein "Jahr danach" war für mich so etwas wie eine persönliche Bibel. Schärfer als vieles andere, zugänglicher und gleichzeitig widerständiger.

Leider ist Pohrt vor einigen Jahren gestorben. Sein Werk verdient mehr Aufmerksamkeit, als es bekommt.

5. Nicht ich: Logik, Lüge, Libido – Christina von Braun

Christina von Braun habe ich als Vortragende erlebt, und das war ein Schlüsselmoment. Ihr Buch über die Geschichte der Hysterie erklärt die Mechanismen weiblicher Unterdrückung und den Widerstand dagegen.

Der Körper als gleichzeitiger Kampf- und Rückzugsort – das war für mich die prägendste feministische Lektüre. Sie hat mein Denken verändert.

Was das mit Hermes 3000 zu tun hat

Jedes dieser Bücher hat mich gelehrt, dass Schreiben mehr ist als Worte auf Papier. Es ist Denken, Fühlen und manchmal auch Widerstand. Wenn wir Hermes 3000 bauen, dann mit dem Respekt vor dieser Kraft des geschriebenen Wortes.

KI kann vieles – aber der Impuls, etwas zu sagen, das gesagt werden muss, kommt immer noch vom Menschen. Hermes 3000 ist dafür da, diesen Impuls zu unterstützen, nicht zu ersetzen.