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KI-Text, der nach dir klingt: Was wir 2026 aus T.J. Robertsons Analyse gebaut haben

Kurz gesagt: KI-Text klingt dann menschlich, wenn er eine echte Haltung trägt (Meinungen, Zweifel, eigene Beispiele) und wenn das Modell die Stimme eines Menschen lesen kann, statt sie nur beschrieben zu bekommen. Verbotslisten und die Anweisung „schreib menschlich“ helfen kaum. So fasst T.J. Robertson am 1. November 2026 Hunderte selbst bewertete A/B-Tests zusammen. Wir haben daraus drei Änderungen an Hermes 3000 gemacht: Stilproben, „Meine Sicht“ für Sachbücher und Whitepaper, und keine erfundenen Quellen mehr. Gemessen: Mit „Meine Sicht“ landen 12 bis 21 Wortfolgen der Autorin im Text statt keiner, und ihre Zweifel bleiben stehen.


Wer mit KI schreibt, kennt den Ton: glatt, ausgewogen, irgendwie richtig, aber von niemandem. Ein Sachbuchkapitel, das alles erklärt und nichts behauptet. Ein Absatz, der klingt, als hätte ihn ein sehr fleißiger Praktikant geschrieben, der zu jedem Thema schon einmal etwas gelesen hat.

Die übliche Antwort darauf sind Tricks: Listen mit verbotenen Wörtern, „Schreib lockerer“, ein zweites Modell, das den Text „vermenschlicht“. Wir wollten wissen, was davon wirklich hilft. Die beste Antwort darauf, die wir gefunden haben, kommt nicht aus der Forschung, sondern aus der Praxis einer Agentur.

Woher die Anregung kommt: T.J. Robertson

T.J. Robertson hat die Digitalagentur TJ Digital in Henderson, Nevada gegründet und lässt dort seit drei Jahren Artikel mit KI schreiben. Am 1. November 2026 hat Robertson veröffentlicht, was dabei herausgekommen ist: How to Make AI Sound More Human. Grundlage sind Hunderte bewertete A/B-Tests, rund 50 davon in der letzten Runde, dazu eine Auswertung der Studien zum Thema. Schon Robertsons Studie dazu, welche Seiten KI-Antworten zitieren, hat uns im Oktober geholfen, unseren Blog besser auffindbar zu machen.

Der Kern des neuen Artikels in einem Satz: Gib der KI eine echte Sicht eines echten Menschen. An den Formulierungen herumzuschrauben, ersetzt das nicht.

Hilft (mit Grenzen)Hilft nicht
Den Menschen 2–5 Minuten reden lassen und aus dem Transkript schreiben„Klinge menschlich“, „schreib locker“, „gib dir Mühe“
Zwei bis fünf unterschiedliche Textproben des MenschenRegelberge, die menschliches Schreiben vorschreiben
Mehrere Fassungen anbieten, ein Mensch wähltMehr als etwa zehn Beispiele, Beispiele zum selben Thema
Fehlende Fakten markieren statt erfinden lassenEin zweites Modell, das umschreibt; eine KI als Richterin
Eine kurze Liste der Muster, die im eigenen Text wirklich auftauchenLange, allgemeine Verbotslisten: das Modell weicht auf neue Floskeln aus

Zwei Punkte haben uns besonders überzeugt. Erstens die Begründung: Sprachmodelle sind darauf trainiert, die erwartbarste Antwort zu geben, also auch die erwartbarste Meinung. Eine Haltung kann man dem Modell nicht abringen, man muss sie ihm mitgeben. Zweitens die Ehrlichkeit beim Prüfen. Ob ein Text menschlich klingt, entscheiden laut Robertson weder KI-Detektoren noch KI-Richter verlässlich. Den Ausschlag geben Menschen, die viel KI-Text lesen, in einem Blindvergleich.

Was wir in Hermes vorgefunden haben

Wir haben unsere eigenen Schreib-Prompts gegen den Artikel gelesen. Einiges passte schon: Nirgends steht „klinge menschlich“, unsere Varianten-Funktion bietet für eine markierte Stelle drei Fassungen an, aus denen du wählst, und für Modellvergleiche haben wir eine blinde menschliche Jury in der Text-Arena.

Drei Dinge passten nicht:

  • Die Stilanalyse warf deinen Text weg. Sie las deine Textprobe, machte daraus eine Beschreibung („Schreibe in kurzen Sätzen …“) und behielt nur die Beschreibung. Laut Robertson ist das die schwächere Hälfte.
  • Der Sachbuch-Prompt verlangte „unpersönlich und objektiv“. Das ist genau der Ton ohne Haltung, den man als KI-Text erkennt.
  • Der Whitepaper-Prompt verlangte Quellenverweise „[Quelle, Jahr]“. Ohne mitgeliefertes Material ist das eine Einladung, Studien und Jahreszahlen zu erfinden, in Texten, die unter deinem Namen hinausgehen.

Änderung 1: Keine erfundenen Quellen mehr

Whitepaper-Texte nehmen Zahlen, Studien und Quellen jetzt nur noch aus dem Material, das du mitgibst: aus deiner Wissenssammlung und den Quellen- und Evidenzeinträgen deines Buchs. Braucht eine Aussage einen Beleg, den das Material nicht hergibt, schreibt Hermes sie vorsichtig und setzt [Beleg fehlt] dahinter. Du siehst die Lücke und füllst sie, statt eine plausible Fälschung zu übersehen.

Im Test haben wir ein Kapitel über die Vier-Tage-Woche ohne jedes Material schreiben lassen. Vorher hätte der Prompt Quellenangaben verlangt. Jetzt stand keine einzige erfundene Studie, Prozentzahl oder Jahreszahl im Text, dafür neunmal „[Beleg fehlt]“.

Änderung 2: Stilproben, die bei jedem Schreiben mitgehen

In der Buchstruktur findest du unter „Schreibstil & Zielgruppe“ jetzt Stilproben: zwei bis fünf kurze Passagen aus deinem eigenen Text. Hermes gibt sie bei jedem Schreiben mit, mit dem Auftrag, Satzlänge, Rhythmus, Wortwahl und Ton zu übernehmen, aber weder den Inhalt noch einzelne Sätze. Die Stilanalyse fragt dich jetzt, ob sie die analysierte Probe gleich behalten soll.

Gemessen haben wir mit einer Romanszene in einer Bäckerei und zwei Proben zu ganz anderen Themen, kurz, im Präsens, in der Ich-Form:

Wörter pro Satz„ich“ im Textaus den Proben kopierte 5-Wort-Folgen
ohne Stilproben (2 Läufe)11,3 / 11,71 / 10 / 0
mit Stilproben (2 Läufe)9,4 / 9,123 / 110 / 0

Die Stimme kommt an, kopiert wird nichts. Beim Messen ist uns aber etwas aufgefallen, das wir nicht vorhergesehen hatten: Die Ich-Proben haben auch die Erzählperspektive mitgenommen. Das ist richtig, wenn noch kein Text da ist. Es ist falsch, wenn dein Roman in der dritten Person erzählt wird. Ein Nebensatz im Prompt („bisheriger Text hat Vorrang“) half nicht. Erst ein eigener, deutlicher Absatz hat die dritte Person in zwei von zwei Läufen gehalten. Und wenn eine Probe aus derselben Szenenwelt stammt, färben ihre Motive ab, wie Robertson es beschreibt. Deshalb bittet Hermes um unterschiedliche Passagen.

Änderung 3: „Meine Sicht“ für Sachbuch und Whitepaper

Robertsons wichtigste Empfehlung ist, den Menschen erst einmal reden zu lassen. Ein Interview mit KI braucht es dafür nicht. Es reicht ein kleines Transkript. Deshalb gibt es bei Sachbüchern jetzt das Feld „Meine Sicht“, bei Whitepapers heißt es „Unsere Position“: einmal für das ganze Buch unter „Schreibstil & Zielgruppe“ und, wenn du magst, bei jedem Kapitel unter der Zusammenfassung. Über dem Feld stehen Robertsons Leitfragen:

  • Was verstehen die meisten daran falsch?
  • Wo widersprichst du dem üblichen Rat, und warum?
  • Wo bist du dir unsicher, oder was siehst du heute anders?
  • Ein Beispiel aus deiner eigenen Arbeit?
  • Wie würdest du es einem Kunden in zwei Sätzen erklären?

Am einfachsten ist es, auf das Mikrofon zu drücken und zwei Minuten zu reden. Roh ist völlig in Ordnung. Hermes schreibt den Text dann um deine Aussagen herum. Deine Formulierungen bleiben, wo sie tragen, deine Erlebnisse bleiben in der Ich- oder Wir-Form, und wo du unsicher bist, bleibt der Text es auch. Nichts wird in deinem Namen dazuerfunden.

Unser Test war ein Abschnitt „Budgetplanung in kleinen Teams“, mit einer ausgedachten, aber typischen Sicht, wie man sie in zwei Minuten diktiert. Sie hatte eine klare Gegenmeinung („Jahresbudgets in Teams unter zwanzig Leuten halte ich für Theater“), ein eigenes Beispiel (die Agentur hat das Jahresbudget 2019 abgeschafft) und einen offenen Zweifel (ob das ohne jemanden geht, der die Zahlen im Kopf hat).

übernommene 4-Wort-Folgen„ich“/„wir“Zweifel erhalteneigenes Beispiel im Text
ohne Sicht00–nie
erste Fassung20neinin 1 von 2 Läufen
jetzige Fassung (3 Läufe)12–215–7immerin 3 von 3 Läufen

Die erste Fassung war lehrreich. Die Haltung kam an, wurde aber entpersönlicht. Aus „Bei uns in der Agentur haben wir 2019 das Jahresbudget abgeschafft“ wurde „In einer Agentur wurde das klassische Jahresbudget abgeschafft“, aus „da bin ich mir ehrlich gesagt nicht sicher“ wurde „bleibt fraglich“. Schuld waren zwei Regeln unseres Sachbuch-Prompts, „unpersönlich“ und „keine Erzählperspektive“. Die gelten jetzt nicht mehr, sobald du eine Sicht hinterlegt hast. Danach stand der Satz aus der Sicht im Text: „Ich halte Jahresbudgets in solchen Teamgrößen schlicht für Theater.“

Ganz weg ist ein Rest nicht: In einem von drei Läufen fügte das Modell einen Ich-Satz hinzu, der so nicht in der Sicht stand. Deshalb lohnt der kurze Blick, ob jeder Ich-Satz wirklich deiner ist.

Was wir noch nicht wissen

Wir haben gemessen, ob deine Stimme und deine Sicht im Text ankommen. Ob Leserinnen und Leser die Texte deshalb lieber lesen, haben wir noch nicht gemessen. Unsere Stichproben sind klein, zwei bis drei Läufe je Variante mit einem Modell. Und Robertson ist hier deutlich: Messwerte und KI-Richter ersetzen keinen Blindvergleich mit Menschen. Den machen wir als Nächstes in unserer Text-Arena, mit Abschnitten mit und ohne „Meine Sicht“, und wir berichten hier, was dabei herauskommt.

So probierst du es aus

  1. Öffne dein Buch und links in der Buchstruktur „Schreibstil & Zielgruppe“.
  2. Unter „Stilproben“ legst du zwei bis fünf eigene Passagen ab, möglichst verschieden: ein Dialog, eine Beschreibung, ein Gedanke.
  3. Bei Sachbuch und Whitepaper drückst du bei „Meine Sicht“ aufs Mikrofon und beantwortest die Leitfragen in deinen eigenen Worten.
  4. Lass einen Abschnitt schreiben und lies, ob er nach dir klingt.

Häufig gestellte Fragen

Klingt KI-Text mit Stilproben menschlicher?

Er klingt mehr nach dir: In unserem Test übernahm der Text Satzlänge, Zeitform und Erzählhaltung der Proben, ohne einen Satz zu kopieren. Ob Leser ihn deshalb lieber lesen, prüfen wir gerade in einem Blindtest.

Erkennt ein KI-Detektor den Text dann nicht mehr?

Das ist nicht das Ziel. Auch Robertson rät davon ab, auf Detektoren hin zu schreiben. Wer zeigen will, was von ihm stammt, ist mit unserem Herkunftsnachweis besser bedient.

Muss ich diktieren?

Nein, du kannst auch tippen. Diktieren ist nur schneller und bringt die Sätze, die du wirklich sagen würdest.

Gibt es „Meine Sicht“ auch für Romane?

Nein, nur für Sachbuch und Whitepaper. Im Roman spricht die Erzählstimme, nicht die Autorin. Dort helfen die Stilproben.

Was kostet das?

Stilproben und „Meine Sicht“ sind Teil des normalen Schreibens in Hermes 3000. Die ersten 50 Normseiten sind kostenlos (Stand November 2026).